24-Stunden-Pflege Kosten und Kostenübernahme in 2022

Autor: Christian Wolf, Stand: 11.05.2022
7. Min Lesedauer

24-Stunden-Pflege Kosten und Kostenübernahme
Inhaltsverzeichnis

Die sogenannte 24-Stunden-Pflege stellt für viele Menschen eine ausgezeichnete Alternative zu einem Seniorenheim dar. Die pflegebedürftige Person kann in der gewohnten Umgebung bleiben und wird umfangreich versorgt. Neben der Grundpflege übernimmt die Pflegekraft hauswirtschaftliche Tätigkeiten und ist ein Ansprechpartner für den Pflegebedürftigen. Bei diesem Leistungsumfang stellt sich die Frage, wie viel eine sogenannte 24-Stunden-Pflegekraft kostet.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Kosten bei der 24-Stunden-Pflege entstehen und welche Möglichkeiten es zur Kostenübernahme gibt.

Was kostet die 24-Stunden-Pflege zu Hause?

Sie haben verschiedene Möglichkeiten, eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch zu nehmen. Neben der Beauftragung einer Agentur, die eine Betreuungskraft nach dem Entsendemodell vermittelt, ist es auch möglich, eine sogenannte 24-Stunden-Pflegekraft ohne Agentur als Arbeitgeber einzustellen oder eine selbstständige Pflegekraft zu beauftragen. Die Kosten variieren je nach Modell:

Wie viel kostet die 24-Stunden-Pflege beim Entsendemodell?

Die Entsendung einer 24-Stunden-Pflegekraft erfolgt in der Regel durch einen im Ausland ansässigen Personaldienstleister, der in einem direkten Austausch mit einer deutschen Vermittlungsagentur steht. Die Vermittlungsagentur nimmt im Vorfeld den Pflegebedarf genau auf und begleitet die zu betreuende Person. Personalwechsel erfolgen im Turnus von 2-3 Monaten und werden von dem deutschen Vermittlungsunternehmen organisiert. Bei diesem Modell werden Ihnen viele Aufgaben abgenommen. Die Personalsuche, Personalauswahl und die Personalwechsel werden von der jeweiligen Agentur organisiert. Auch die Kommunikation zum Entsendeunternehmen gehört zu den Aufgaben der in Deutschland ansässigen Vermittlungsagentur. Die Kosten für das Entsendemodell liegen bei ungefähr 2200 – 3000€, wobei sich die aktiven Kosten oftmals senken lassen. 

Kostenbeispiel bei Pflegegrad 2
Kosten für eine sogenannte 24-Stunden-Pflegekraft
+2400,00€
Pflegegeld (Pflegegrad 2)
-316,00€
Verhinderungs- und Kurzzeitpflege
Bis zu -208,25€
Möglicher Steuervorteil
Bis zu -333,33€
Aktive Kosten
1542,42€
* Diese Übersicht dient nur als Beispiel. Die Kosten können in der Realität abweichen.

Mit unserem 24-Stunden-Pflege-Kostenrechner können Sie sich einen groben Preisüberblick verschaffen.

Wichtig: Lassen Sie sich vor der Anreise der Betreuungskraft die A1-Bescheinigung von der Vermittlungsagentur vorlegen. Diese dient als Nachweis, dass die Pflegeperson im Heimatland sozialversichert ist. Eine Vermittlung ohne A1-Bescheinigung ist illegal und wird mit Bußgeldern geahndet.

Diese Kosten entstehen beim Arbeitgebermodell

Sollten Sie sich dazu entscheiden, eine Betreuungskraft einzustellen, dann müssen Sie mit Kosten von 2100€ bis 3500€ rechnen. Der Vorteil bei diesem Modell ist, dass Sie eine direkte Weisungsbefugnis gegenüber der Betreuungskraft haben. Bei einem Ausfall der Betreuungskraft tragen Sie ein höhres Risiko als bei dem Entsende- bzw. Selbstständigkeitsmodell, denn Sie müssen sich in einem solchen Fall um Ersatz kümmern. Die Caritas stellt für das Arbeitgebermodell mit dem Angebot CariFair einen optimalen Ansprechpartner dar.

24-Stunden-Pflege: das Arbeitgebermodell

Die monatliche Kosten des Selbstständigkeitsmodells

 

Sie haben auch die Möglichkeit, eine gewerbetreibende Pflegekraft zu beauftragen, hier beginnen die Kosten bei 1600€ monatlich. Prüfen Sie vor dem Arbeitsbeginn unbedingt, ob eine Gewerbeanmeldung im EU-Ausland oder in Deutschland durchgeführt wurde. Wurde die Gewerbeanmeldung im Ausland durchgeführt? Dann lassen Sie sich eine A1-Bescheinigung vorlegen. Ist das Gewerbe in Deutschland angemeldet worden? Dann lassen Sie sich die Gewerbeanmeldung oder den Gewerbeschein vorlegen.

Wichtig: Das Selbstständigkeitsmodell ist aufgrund von Scheinselbstständigkeit nur bedingt zu empfehlen.

24-Stunden-Pflege: das Selbstständigkeitsmodell

Welche Kriterien beeinflussen den monatlichen Betrag?

 

Die genauen Kosten lassen sich ohne eine vorherige Bedarfsaufnahme nur schwer ermitteln. Ein Kriterium für die Kostenermittlung ist der Betreuungsumfang der pflegebedürftigen Person. Bei einem hohen Pflegegrad und Betreuungsumfang können die monatlichen Kosten steigen. Ein weiterer Kostenfaktor sind die beruflichen Qualifikationen der Pflegekräfte – bei Patienten, die eine umfangreiche Betreuung benötigen, werden 24-Stunden-Pflegekräfte eingesetzt, die bereits umfangreiche pflegerische Erfahrungen sammeln konnten. Häufig sind auch die Deutschkenntnisse der Betreuungskraft ein Faktor, der den Preis mitbestimmt.

Preisbildungsfaktoren:

  • Betreuungsumfang/Pflegegrad
  • Berufliche Qualifikationen der Pflegekraft (pflegerische Erfahrungen)
  • Sprachkenntnisse der Pflegekraft

24-Stunden-Pflege Rechtslage: Mindestlohn und Arbeitszeitregelungen

 

Zur Zeit wird über die Nichteinhaltung des deutschen Arbeitsrechts im Bereich der 24-Stunden-Pflege berichtet und dies ist auch teilweise richtig. Viele Pflegevermittlungsagenturen missachten die rechtlichen Rahmenbedingungen bei der Entsendung von Betreuungskräften. Eine legale Vermittlung kann nur dann erfolgen, wenn die Betreuungskräfte mindestens den gesetzlich festgelegten Mindestlohn (ab Juli 2021 Mindestlohn: 9,60€) verdienen. Außerdem sollten im Vorfeld die Arbeitszeiten geregelt sein. Bei der Pflegevermittlung Carefriend arbeiten die vermittelten Betreuungskräfte in der Regel 40 Wochenstunden

Welche Kosten entstehen bei der 24-Stunden-Pflege durch deutsche Pflegekräfte?

 

Deutsche Pflegekräfte werden von Agenturen wie der Toll-Betreuung vermittelt. Neben der Vermittlung durch eine Agentur können Sie auch eine selbstständige deutsche Pflegekraft beauftragen. Die Kosten sind erfahrungsgemäß deutlich höher als bei osteuropäischen Pflegekräften und beginnen bei ungefähr 4000€ monatlich.

Kostenübernahme der 24-Stunden-Pflege

 

Für Pflegebedürftige und Angehörige gibt es viele Möglichkeiten, die monatlichen Kosten für eine 24-Stunden-Pflegekraft zu senken. Sie können beispielsweise verschiedene Pflegeleistungen einsetzenSteuervorteile nutzen oder in einigen Fällen auch Hilfe vom Sozialamt in Anspruch nehmen. In Bayern profitieren Pflegebedürftige zusätzlich vom sogenannten Landespflegegeld.

Was zahlt die Pflegekasse bei der 24-Stunden-Pflege?

 

Für die 24-Stunden-Pflege können Sie das Pflegegeld, die Verhinderungspflege, die Kurzzeitpflege oder die Kombination aus Verhinderungs- und Kurzzeitpflege einsetzen. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Pflegeleistungen ist die Einstufung des Pflegebedürftigen in einen Pflegegrad. Die Begutachtung übernimmt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung, kurz: MDK. Die Einstufung erfolgt anhand 6 verschiedener Module: 1. Mobilität, 2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten, 3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, 4. Selbstversorgung, 5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen und 6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte – aus diesen Modulen lässt sich die Einordnung in einen der 5 Pflegegrade ableiten.

Wichtig: Pflegegeld sowie die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege können Sie ab Pflegegrad 2 erhalten.

Pflegeleistungen bei der 24-Stunden-Pflege

Welche Leistungen erhalten Sie innerhalb der Pflegegrade?

Die folgende Übersicht veranschaulicht, welche Pflegeleistungen Ihnen innerhalb der verschiedenen Pflegegrade zustehen. Die Leistungen, die Sie für die 24-Stunden-Pflege verwenden können sind mit einem roten Stern markiert.

Pflegegeld*0€
Verhinderungspflege*0€
Kurzzeitpflege*0€
Tages- und Nachtpflege0€
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125,00€ mntl.
Pflegesachleistungen0€
Vollstationäre Pflege0€
Wohnraumanpassung4.000,00€
Wohngruppenzuschuss214,00€ mntl.
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch40,00€ mntl.
Hausnotruf30,25€ mntl.

Gut zu wissen: Sie können die Verhinderungspflege (1612,00€ jährl.) mit 50% des Leistungsanspruches aus der Kurzzeitpflege (1774,00€ jährl.) kombinieren.

Kombination Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Ist eine Kostenübernahme der 24-Stunden-Pflege durch das Sozialamt möglich?

 

Unter bestimmten Voraussetzungen können die Kosten für eine 24-Stunden-Pflegekraft von dem Sozialamt übernommen werden. Sollte die pflegebedürftige Person beispielsweise nicht in der Lage sein, die Kosten zu tragen, dann ist eine Kostenübernahme in Form von der „Hilfe zur Pflege“ durchaus möglich. Bevor der Antrag auf Sozialhilfe gestellt wird, muss die Einteilung in einen der 5 Pflegegrade durch die Pflegekasse erfolgt sein. Bei Antragsstellern, die nicht versichert sind, übernimmt das Sozialamt in der Regel die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit. Zu den Leistungen der „Hilfe zur Pflege“ gehören:  

  • Teilstationäre Pflege

  • Kurzzeitpflege

  • Stationäre Pflege

  • Pflegegeld bei Pflegegrad 2 – 5

  • Häusliche Pflegehilfe

  • Verhinderungspflege

  • Pflegehilfsmittel

  • Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes

  • Entlastungsbetrag bei den Pflegegraden 2 – 5

Bei welchen Pflegegraden eignet sich die 24-Stunden-Pflege?

 

Der Pflegegrad ist neben vielen anderen Merkmalen ein Kriterium bei der Feststellung des Pflegebedarfs. Die Entscheidung, ob die 24-Stunden-Pflege infrage kommt, ist abhängig vom allgemeinen Pflegebedarf und nicht nur vom Pflegegrad. Grundsätzlich sollte vor der Vermittlung einer sogenannten 24-Stunden-Pflegekraft eine genaue Bedarfsaufnahme erfolgen.

Artikel teilen!

Inhaltsverzeichnis